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Schon jetzt ist hinter den Kulissen viel los...

Wir nutzen jede freie Minute, um Figuren, Kostüme, Requisiten, Musik, Liedtexte und Choreografien entstehen zu lassen.

Hier gibt es jetzt die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen…

Jeden Monat aufs Neue veröffentlichen wir hier spannende  Interviews mit den verschiedenen Akteuren und Gestalter*innen hinten den Kulissen.

Die Interviews werden geführt von Birte Überleer.

Eine Figur wird gezeichnet - "Sag mal Eva..."

Birte:   Sag mal Eva , wann hast du mit dem Zeichnen begonnen?

Eva:     Ich habe schon als Kind viel gezeichnet. Bei uns zuhause wurde viel über Politik diskutiert, es ging auch zu vielen Veranstaltungen. Im Gegensatz zu meinem älteren Bruder hat mich das allerdings alles nicht so interessiert. Ich habe dann meistens unbeteiligt dabei gesessen und gezeichnet. Ich war wohl ein braves Kind, weil ich mich so ruhig beschäftigt habe.

Birte:   Und was war dann dein erster Auftrag, für den du auch ein Honorar bekommen hast?

Eva:     Nachdem ich intern von der Familie schon oft verschiedene Aufträge bekommen hatte, kam der erste offizielle Auftrag von einem Verlag zur Zeit meiner Fachoberschule. Ich durfte ein Kinder-Yoga-Buch illustrieren. Ich habe Äffchen gezeichnet, die verschiedene Yoga-Übungen machen.

Birte:   Wow, da hast du gleich mit einer richtig großen Nummer angefangen!

Eva:     Für damals ja, es war ein kleines Taschenbuch, nicht besonders auflagenstark…

Birte:   Trotzdem… (lacht) Wir haben uns mit unserem Auftrag schon im Sommer 2018 an dich gewendet und dich gefragt, ob du das Bühnenbild und die Requisiten für das Friedrichstadtmusical erschaffen möchtest. Musstest du lange überlegen, ob du diese damals noch sehr diffuse Aufgabe übernehmen möchtest?

Eva:     Nein, ich habe sofort zu Bente gesagt, dass ich gerne mitmache. Schon auf dem Parkplatz, auf dem wir uns damals getroffen haben.

Birte:   Es hat dich also sofort gereizt. Was macht für dich denn den besonderen Reiz dieses Projektes aus?

Eva:     Mich reizt besonders die Kostümzeichnung und -entwicklung, da ich noch nie Kostüme oder ein Bühnenbild entworfen habe. Ich bin immer schon an Mode und Kostümen interessiert gewesen, hätte vielleicht auch etwas in die Richtung studieren können. Ich habe mich bisher allerdings wenig mit Theater und Musical beschäftigt. Nun mal diese Abwechslung zur Buchillustration und zum Bildermalen zu haben ist toll, insbesondere dass ich bei einem lokalen Gemeinschaftsprojekt mittun darf. Denn nach Gesellschaft sehne ich mich oft, wenn ich allein in meinem Atelier sitzend eine Geschichte für ein Bilderbuch illustriere. Bei so einer Arbeit ist man auf sich selbst gestellt. Beim Musicalprojekt haben wir immer wieder Austausch. Und dieses Feedback aus der Gruppe, die vielen Anregungen aus verschiedenen Berufsperspektiven, all das finde ich sehr belebend.

Birte:   Damit beschreibst du schon ein wenig den Unterschied zu deinen üblichen beruflichen Aufgaben. Wie ist es mit den technischen und handwerklichen Prozessen, gibt es da auch Unterschiede?

Eva:     Ja, denn es geht beispielsweise bei den Kostümen weniger um Bildaufbau oder um eine bestimmte Gestaltungstechnik, ob ich zum Beispiel eine Collage klebe, Acryl oder Tusche benutze. Hier geht es darum, einen Entwurf zu machen, der dann als Kulisse gesägt oder zu einem zum Beispiel Mantel, Kleid, Hut genäht wird. Es steht das Dreidimensionale im Vordergrund. Ich muss bedenken, wie sieht es von der Seite, wie sieht die Rückseite aus…ist die Zeichnung so umsetzbar.

Birte:   Es ist ja eine deiner Aufgaben, die Figuren und Bühnenelemente zu entwerfen. Kannst du beschreiben, wie das geschieht? Entstehen die Figuren in deinem Kopf oder auf dem Papier?

Eva:     Zunächst habe ich mir Kostümbücher angeschaut, mir interessante Details zeichnerisch notiert, die mir für dieses Projekt passend schienen; aber im Wechsel habe ich auch immer schon direkt drauf los gezeichnet. Das Überlegen im Kopf kommt eigentlich viel mit dem Gekritzel. Also immer wieder zeichnen, was ich grade im Kopf habe und reagieren auf das, was schon auf dem Blatt entstanden ist, ein Brainstorming mit dem Zeichenstift. Ich gucke mit einem zeitlichen Abstand auf meine Skizzenblätter, und dann fällt mir etwas Neues dazu ein… Dadurch entstehen dann Figuren oder Ideen, die mir nicht durch reines Nachdenken einfallen würden. Ich muss immer wieder bildlich etwas vor mir haben um mit Ideen voran zu kommen.

Birte:   Ist es für das Entstehen der Figuren wichtig, dass du Informationen über die Charaktere der Figuren hast? Musst du eine Beschreibung der Figuren haben, um sie dann auch darstellen zu können?

Eva:     Erstmal zeichne und fantasiere ich für mich alleine wie zum Beispiel ein Kostüm aussehen könnte, so wie vorhin beschrieben, dann findet wieder der gemeinsame Austausch statt. Mal habt ihr Zeichnungen von mir gesehen und wurdet davon inspiriert, oder ich höre etwas von euch. Ein Pingpongspiel, in dem wir uns gegenseitig anregen. Teilweise waren die Figuren anfangs ja auch nur sehr vage beschrieben und es hat sich dann erst mit der Zeit immer mehr herauskristallisiert, was diese oder jene auf der Bühne verkörpern soll. Ich finde es spannend, wie wir zusammen Schritt für Schritt die Facetten der Figuren weiterentwickeln und was ich alles mit meiner Zeichnerei einbringen kann.

Birte:   Du sagst: „wir zusammen“. Wir arbeiten ja aus ganz vielen unterschiedlichen Blickwinkeln an der Entstehung des Musicals, der Geschichte, der Figuren, des Bühnenbildes. Mit wem arbeitest du besonders eng zusammen? Beziehungsweise welche enge Zusammenarbeit ist für dich wichtig?

Eva:     Besonders wichtig für mich ist zum einen die Zusammenarbeit mit Lars (Choreograf). Er bringt bei unseren Treffen, beim gemeinsamen Durcharbeiten des Drehbuchs, beim gemeinsamen Betrachten meiner Skizzenblätter, sehr viele spontane Ideen ein. Einige Figuren tanzt er uns dann auch mal kurz vor. Zum anderen die Arbeit mit Bente, deren Kompositionen wir uns gemeinsam anhören, wir werden in die jeweiligen Stimmungen versetzt … beim Anhören der Musik kann ich mir schon manche Figuren tanzend in ihren Kostümen auf der Musicalbühne vorstellen.

Birte:   Genau, ihr lasst die Figuren entstehen und dann folgt ja für dich noch ein zweiter Schritt. Du begleitest ja auch ganz eng die physische Entstehung der Kostüme. Da ist ja dann Gerda deine Hauptansprechpartnerin.

Eva:     Die Zusammenarbeit mit Gerda ist noch relativ frisch. In letzter Zeit haben wir uns öfters getroffen für das erste Kostüm. Sie ist da schon ziemlich weit, hat das Schnittmuster nach meiner Kostümzeichnung gemacht, wir haben gemeinsam den Stoff ausgesucht. Als sie schon das meiste zusammengenäht hatte, kam ich mit einigen Stoffresten aus meinem privaten Stoffbestand vorbei. Wir entschieden gemeinsam, anhand meines Entwurfs, wo zum Beispiel welche Applikation nun aufgenäht werden kann. Wenn Gerda unsicher ist, wie ich dieses oder jenes in meinen Entwürfen gemeint habe, dann meldet sie sich bei mir, und ich fahre kurz bei ihr vorbei. So kann ich unmittelbar erfahren, wieviel von meinem Entwurf umsetzbar ist.

Birte:   Und als ob das nicht schon genug Arbeit wäre, bist du genauso gefragt für die Requisiten. Auch da läuft ja nicht wirklich etwas, ohne dass du uns grünes Licht gibst, dass dieser Farbton in Ordnung ist, dass dieses Material passt… eine wirklich große Aufgabe.

Eva:     Ja, eine große Aufgabe ist es, aber ich wachse langsam da rein und ich lerne viel dabei. Schön spannend!

Birte:   Ich glaube, das tun wir alle. Normalerweise bist du mit deinen Zeichnungen ja in einer eigenen Welt unterwegs. Denkst du viel darüber nach, dass die Kostüme und dein künstlerischer Ausdruck auch zu richtigen Menschen passen sollen? Dass deine Figuren von richtigen Menschen dargestellt werden?

Eva:     Um rumfantasieren zu können, grenze ich mich mit dieser Frage erstmal nicht ein. Ich zeichne alles, was mir zu einer Figur in den Sinn kommt und kann später sehen, was sich von den frei entstandenen Entwürfen umsetzen lässt. Andererseits können Einschränkungen auch dazu dienen etwas Neues, Überraschendes für ein Kostüm zu entwickeln, zu einem dicken Darsteller fällt mir sicher etwas Anderes ein als zu einem Dünnen.

Birte:   Baust du zu den einzelnen Figuren eine Beziehung auf?

Eva:     Die kommt von allein, ich habe zu meinen gezeichneten Figuren meist eine Beziehung. Manche mag ich nicht, manche amüsieren mich und manche finde ich unheimlich. Am besten ist, meine Skizze überrascht mich. Besteht da keine Beziehung, ist die Zeichnung wohl nicht geglückt.

Birte:   In der großen Hoffnung, dass wir im Frühjahr 2022 das Musical endlich auf die Bühne bringen können, worauf freust du dich am meisten?

Eva:     Das kann ich nicht genau beantworten. Natürlich freue ich mich auf den Moment, wenn es aufgeführt wird. Aber die Zeit danach stelle ich mir etwas traurig vor. Ich finde einfach den ganzen Prozess spannend und freue mich auf alles was da noch kommt. Und natürlich auf den Moment, wenn die ersten Kostüme nebeneinander in der Garderobe hängen und vor allem anprobiert werden, das wird ein besonderer Moment.

Birte:   Für mich war auch dies wieder einer dieser besonderen Momente, mit denen uns dieses Projekt immer so reichlich beschenkt. Dir ein ganz herzliches Dankeschön für diese faszinierenden Einblicke in deine Arbeit.

Eva:     Gerne, dir auch vielen Dank.

Das nächste Interview führen wir in Kürze mit ... lass dich überraschen 🙂