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Schon jetzt ist hinter den Kulissen viel los...

Wir nutzen jede freie Minute, um Figuren, Kostüme, Requisiten, Musik, Liedtexte und Choreografien entstehen zu lassen.

Hier gibt es jetzt die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen…

Jeden Monat aufs Neue veröffentlichen wir hier spannende  Interviews mit den verschiedenen Akteuren und Gestalter*innen hinten den Kulissen.

Die Interviews werden geführt von Birte Überleer.

Die Zusammenarbeit mit den Schulen - "Sagt mal Steffi und Iris..."

Birte:   Liebe Steffi, liebe Iris, als Vertreterinnen für die Friedrichstädter Schulen möchte ich gerne mit euch über die, aus der Teilnahme am Friedrichstädter Musical, entstehenden Möglichkeiten für die Friedrichstädter Schülerinnen und Schüler sprechen. Bente und ich haben euch das erste Mal im April 2019 von unserem Musical-Vorhaben berichtet. Ich erinnere mich daran, dass ihr sofort begeistert wart. Was begeistert euch genau an dem Friedrichstadtmusical?

 

 

Steffi: Ich habe das Setting noch genau vor Augen, in dem wir damals in der dänischen Schule zusammengesessen haben. Was mich für die Umsetzung in der Schule begeistert hat, war die Professionalität, mit der ihr das Projekt aufzieht. Wenn ich mir vorstelle, dass wir uns mit 300 Schülerinnen und Schülern plus 30 Lehrkräften einem Projekt anvertrauen und mit unseren Ideen dazukommen, dann muss das sehr professionell gesteuert werden. Es beinhaltet ja doch einige nicht vorhersehbare Momente und erfordert von allen Seiten viel Offenheit. Ich hatte sofort das Gefühl, dass wir uns mit unseren Ideen in euren kreativen Rahmen begeben können, und gleichzeitig habt ihr sehr klare Vorstellungen. Trotzdem seid ihr sehr offen für die Ideen unserer Schulgemeinschaft. Iris hatte gleich viele Ideen, wie wir uns einbringen können.

 

Iris:      Auch ich erinnere mich an dieses Gespräch, und was mich beeindruckt hat, war die Größe des gesamten Projektes. Und dass dieses Projekt so wahnsinnig viele Menschen verbinden soll. Dass das Gemeinschaftserleben so einen festen Platz hat, finde ich besonders schön.

 

Steffi:  Schön finde ich auch, dass euch wichtig ist, alle Schülerinnen und Schüler mit einbinden zu können. Es bringt uns als Schule nicht viel und es entspricht auch nicht unserem Anspruch als Gemeinschaftsschule, wenn sich beispielsweise nur die musikalischen Kinder in dieses Projekt einbringen können. Was machen dann die anderen? Es gibt so tolle Ideen, was diese Kinder machen können. Und dass jeder seinen Platz finden kann, das hat mich wirklich begeistert.

 

Birte:   Bevor wir noch genauer auf euer Mitwirken im Musical schauen, habe ich noch eine Frage, welche sich auf die Geschichte Friedrichstadts bezieht. Welche Rolle spielt Friedrichstadts Stadtgeschichte grundsätzlich in eurem Lehrplan und euren schulischen Aktionen?

 

Steffi: In der „Vor-Corona-Zeit“ haben wir eine Projektwoche durchgeführt, in der Friedrichstadt das zentrale Thema war und aus unterschiedlichen Blickpunkten beleuchtet wurde. Schülerinnen und Schüler wurden zu Stadtführern ausgebildet, wir haben die Stadtsilhouette aus Ton getöpfert, Giebelhäuser gebaut, es wurden Drucke hergestellt. Dann gab es auch Gruppen, die in die Synagoge gegangen sind und sich mit jüdischen Familien, die in Friedrichstadt lebten, beschäftigt haben. Andere Kinder haben die Stolpersteine in der Stadt gesucht, wir haben Rallyes entwickelt. Darüber hinaus ist unser Friedrichstadt-Lauf entstanden, der einmal jährlich stattfindet.

Im Schullalltag gibt es immer wieder Anknüpfungspunkte an die Geschichte der Stadt. Sei es durch Kirchen- und Stadtführungen, die Christiane Thomsen mit den Schülerinnen und Schülern durchführt, oder einzelnen Unterrichtsprojekten, die in das Fachcurriculum der Schule eingebunden sind. Friedrichstadt bietet uns als Lehrkräften ein breites Feld, und das nicht nur im Hinblick auf die Geschichte.  In der OGS(offenen Ganztagsschule) beispielsweise, die von Iris betreut wird, ist Friedrichstadt natürlich auch ein zentrales Thema.

 

Iris:      Ja, zum einen in der OGS und zum anderen aus sozialpädagogischer Sicht. Ich spreche jetzt mal für die Corona-Zeit. Jetzt ist das besonders wichtig. Ich persönlich fand es ein bisschen schwierig, dass wir alle etwas zusammen machen können. Das war so nicht gegeben. Daraufhin haben wir uns gründlich überlegt, was wir machen können, um unsere Kinder in das Stadtgeschehen einzubinden. Entstanden sind unterschiedliche Aktionen für die Stadt, wie zum Beispiel die Weihnachtswichtel, mit denen wir uns in der Stadt gezeigt haben. Unser Bestreben ist es, die Vereine mit in die Kursangebote zu integrieren. So gibt es seit vielen Jahren eine wunderbare Zusammenarbeit mit dem Ruderverein oder seit Kurzem dem Segelclub. Segelverein oder den Ruderverein. Da passiert aktuell ganz viel. Das ist für uns besonders verbindend. Das Gemeinschaftsgefühl ist für mich das Entscheidende.

 

Birte:   Wenn du die Wichtelaktion ansprichst, bekomme ich sofort wieder eine Gänsehaut. Das war aus meiner Sicht das richtige Zeichen zum richtigen Zeitpunkt. Diese Aktion hat so viel Wärme erzeugt. Und der Mut der Kinder, sich zu präsentieren war sehr beeindruckend.

 

Iris:      Ja, und das ist keine Selbstverständlichkeit. Das hat mich selbst überrascht. Die Selbstverständlichkeit und die Größe, mit der die Kinder dies gemacht haben, fand ich sehr beeindruckend. Auch das Biikebrennen war eine Aktion, die aus unserer Arbeit heraus entstanden ist. Damit wollten wir Geschichte in die Stadt bringen und etwas Neues entstehen lassen, was Friedrichstadt so vielleicht noch nicht hatte.

 

Birte:   Und genau die Themen, die ihr jetzt angesprochen habt; Gemeinschaft, Toleranz, Zugehörigkeit und sich einbringen in die Heimat, werden in unserem Musical eine wichtige Rolle spielen. Wenn die Pandemiebedingungen es zulassen, können wir nach den Sommerferien endlich aktiv gemeinsam loslegen. Wir hoffen natürlich, dass ganz viele Schülerinnen und Schüler sich aktiv in das Musicalprojekt einbringen. Wie können die Friedrichstädter Schulen aus eurer Sicht von dieser Teilnahme profitieren?

 

Steffi: Profitieren können wir auf jeden Fall in dem Punkt Gemeinschaft. Denn wir merken immer wieder, wenn wir gemeinsam etwas gestalten, Schülerinnen und Schüler zusammen mit Lehrkräften und den pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dann profitieren wir alle davon. Das kann ich ein wenig mit unserem Lauftag vergleichen, der von vielen verschiedenen Schulen aus den Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen und Schleswig-Flensburg besucht wird. Das ist ein Großprojekt, das wir als Schulgemeinschaft stemmen müssen. Da gibt es dann Schulsanitäter, Parkplatzwächter, Teilnehmende und vieles mehr. Das zeigt uns, wir können gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Und dies verspreche ich mir ebenfalls von dem Musical-Projekt. Dabei ist dieses Projekt dann auch noch auf einen so langen Zeitraum angelegt. Da kann man noch mehr zusammenwachsen und man lernt immer wieder, sich zu akzeptieren. Jeder hat seinen Bereich. Ich kann mir vorstellen, dass wir viele neue Talente zu sehen bekommen. Der Eine ist ein wirklich guter Parkplatzwächter, jemand Anderes kann Scheinwerfer hin und her schleppen. Und Andere können ein Instrument spielen, singen oder tanzen. Für uns ist es auch besonders interessant, dass Schülerinnen und Schüler ihre musikalische Seite in dem Musical ausleben können, was bei uns so im Schulalltag nicht in der Tiefe möglich ist. Wir werden sicherlich neue Stärken an unseren Schülerinnen und Schülern kennenlernen.

 

Iris:      Ich würde es schön finden, wenn eine zusätzliche Art der Vernetzung zwischen den Friedrichstädter Schulen entsteht. Ich habe es jetzt schon bei einigen Aktionen erlebt, dass Schülerinnen der anderen Schulen an unseren Aktionen teilgenommen haben, weil sie Schülerinnen unserer Schule aus privaten Zusammenhängen kannten. Aber darüber hinaus habe ich wenig Zugriff und Einblick auf mögliche tolle Aktionen an den anderen Schulen. Wenn aus dem Musical-Projekt etwas Bleibendes entsteht, dass wir uns mehr vernetzen, uns mehr austauschen, das fände ich toll.

 

Birte:   Und da gibst du mir ein super Stichwort. Die Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt uns maßgeblich in der Projekt-Umsetzung, da wir in einem Teilprojekt das gemeinsame Wirken, die Vernetzung, das demokratische Miteinander und die dafür grundlegenden Themen wie Toleranz, Respekt, Offenheit und Wertschätzung mit besonderem Engagement herausarbeiten und bewusst erlebbar machen wollen – als gemeinsames Wirken im Sozialraum. Können darüber hinaus die Aspekte des Musical-Projektes für euch als Schulen die Auseinandersetzung mit demokratischen Aspekten und Fragen anregen und wenn ja, wie kann dies gut funktionieren?

 

Steffi:  Auf alle Fälle – es bietet sich ja an. Wir können diese Themen zum Beispiel in Klassenstunden aufgreifen. Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Dass zum Beispiel Schülerinnen und Schüler einer Klasse an unterschiedlichen Dingen mithelfen und sich gegenseitig berichten, wie sie ihre vielfältigen Aufgaben erleben. Da sind wir dann als Lehrkräfte stark gefragt, dass wir uns anbieten mit dem, was wir können. Dass wir uns darüber hinaus anbieten mit all dem, was die Schulen bieten können. Wir sind alle unterstützend tätig dabei, und das können wir thematisch gut aufgreifen.

 

Iris:      Genau, das können wir.

 

Steffi:  Und dann ist mir der historische Gedanke noch wichtig. Dass wir uns fragen, wofür diese Stadt eigentlich steht, welches der Gründungsgedanke war. Das machen wir zwar ohnehin, aber ich glaube, dass dieses Projekt noch einen weiteren Zugang bietet, der auch nachhaltiger sein kann. Vielleicht sogar über Jahrzehnte. Ich war ja schon als sehr junges Mädchen bei dem 350. Jubiläum dabei (lacht). Aber wenn ich mich daran erinnere, was natürlich sehr vage ist, ist es doch ein schönes Gefühl. Oder es gab vor 20 Jahren das große Musical „Linie 1“ an unserer Schule. Alle Beteiligten von damals können sich noch gut daran erinnern, sind mit bis dato unbekannten Stärken präsent gewesen. Und da bin ich mir sicher, wir lernen uns auch in diesem Projekt ganz anders kennen.

 

Birte:   Ja, und lernen uns als Gemeinschaft ganz anders kennen. Ich hoffe genauso wie du, dass die Teilnahme und das Erleben dieses Projektes für die Teilnehmenden zu einer persönlichen Sternstunde wird, die auch eine besondere Erinnerung fürs Leben schafft. Niemand von uns hätte wohl zu Beginn unserer Planung erahnen können, welche Bedeutung gemeinsames Wirken und Erleben im Jahr 2021 erhalten wird. Dadurch kann natürlich eine ganz besondere Tiefe entstehen.

 

Steffi:  Ja, und es passt dann auch noch zum Thema. Es läuft im Leben nicht immer alles glatt, man muss auch mal kreativ sein. Und das seid ihr.

Was ich an dieser Stelle gerne sagen möchte: Für uns als Schule ist es uns wichtig, der Stadt Friedrichstadt auch einmal etwas zurückzugeben. Uns geht es hier wirklich gut. Wir haben eine tolle Schule, eine tolle Ausstattung. Diese Dankbarkeit können die Kinder durch unsere Haltung spüren – und das ist ebenfalls wichtig.

 

Birte:   Auch da lieferst du wieder ein tolles Stichwort. Denn ihr seid wirklich gut im Geben. Wir erleben euch seit Beginn unserer Zusammenarbeit als ganz große Unterstützer. Egal worum wir euch bitten, ihr macht alles möglich und ich bin mir sicher, dass dies auch für die kommenden Monate so bleiben wird. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön. Denn wir würden dieses Projekt ohne die Vielfältigkeit der Unterstützung nicht umsetzen können. Ohne den gemeinsamen Willen, für alles eine Lösung zu finden, ist ein Projekt dieser Größe nicht möglich. Da seid ihr wirklich ganz wertvolle Unterstützerinnen.

 

Steffi:  Schön, das ist uns gar nicht so bewusst.

 

Birte:   Wenn ihr euch jetzt bewusst macht, dass es wirklich bald losgehen kann: Worauf freut ihr euch am meisten?

 

Steffi:  Auf den Moment, an dem die Lichter angehen. Und wir all die vorangegangenen Aspekte genießen können. Wenn ich mir das vorstelle, bin ich sofort gerührt. Wenn ich mir das in dieser tollen Kulisse vorstelle – ich lebe ja in Drage – aber diese Stadt die gibt einem so viel.

 

Iris:      Ja, wirklich. Das geht mir genauso.

 

Steffi: Sie gibt einem tatsächlich Heimat.

 

Birte:   Ich bin überzeugt davon, dass man sich auch als Bewohner eines umliegenden Dorfes in Friedrichstadt sehr heimisch fühlen kann. Ich habe dieses Gefühl auch in mir. Der „Schulheimatort“ hat ja häufig auch eine bedeutende Relevanz in den Biografien der Einzelnen. Als Friedrichstädter Schüler oder auch ehemaliger Schüler knüpft man sicherlich ein festes Band zu dieser Stadt.

 

Steffi: Genau. Das ist das Eine. Und das Andere: Ich freue mich auch auf die Momente, in denen alle an „ihrem“ Projekt arbeiten. Wo man hier so durchwuselt, wo viel geregelt werden muss, alle zusammenarbeiten, alle Fäden zusammenkommen und alle dabei sind und engagiert sind. Das kann ich mir gut vorstellen, und genau das ist der Punkt, den ich eingangs erwähnte: ich fühle mich bei euch gut aufgehoben. Ich werde ja wahrscheinlich auch eine Menge organisieren müssen, und das werde ich gut machen können, weil ich gute Ansprechpartner in euch habe.

 

Iris:      Ich freue mich am meisten auf eine volle Stadt. Auf eine richtig volle Stadt mit Menschen, die alle Lust haben, sich zu bewegen und etwas gemeinsam zu erleben. Da sehne ich mich schon sehr nach. Nach Leichtigkeit, sich unbeschwert zu treffen, das vermisse ich sehr und da freue ich mich am meisten drauf.

 

Steffi:  Und ich freue mich auf die erste Musik, die es zu hören gibt. Ich bin so gespannt darauf, wie sich das Friedrichstadtmusical anhört.

 

Birte:   Und die erste Musik wird es bald zu hören geben. Wenn wir corona-bedingt dürfen, dann kommen wir mit dieser Musik in die Stadt und in die Schulen um für die Teilnahme zu werben.

 

Steffi: Wie schön, ich freue mich wirklich darauf.

 

Birte:   Iris, du hast es so schön gesagt: hoffentlich können wir uns bald alle wieder unbeschwert und frei von Corona-Sorgen in Friedrichstadt begegnen. Dass wir dann den gesellschaftlichen „Neustart“ mit unserem Musical-Projekt gemeinsam gestalten können, macht mit Partnern wie euch besonders viel Freude. Vielen Dank, dass ihr – wie alle anderen Friedrichstädter Schulen und Instutionen ebenfalls – dabei an unserer Seite seid.

Das erste Interview haben wir im April mit Eva Muggenthaler geführt.

Das nächste Interview führen wir in Kürze mit ... lass dich überraschen 🙂